Notizen aus der Warteschleife. Folge 100: Die magische 100! Ein Jubiläum zwischen Disziplin und Wahnsinn.

Die Zahlen des Tages:
776 Tage arbeitslos.
374 Bewerbungen.
371 Absagen, davon ca. 40 Ghostings.
156 Beiträge bei LinkedIn.
100 mal: Notizen aus der Warteschleife.

Also: Hier der 100.

Wenn man die Zahl so vor sich sieht, wirkt sie fast ein bisschen einschüchternd. Heute erscheint die 100. Ausgabe meiner ‚Notizen aus der Warteschleife‘. Als ich am 17. März 2025 mit dem ersten Beitrag anfing, war das eher ein therapeutischer Reflex, eine Art, die Stille zu füllen, die entsteht, wenn das Telefon plötzlich seltener klingelt.

Was im März 2025 als vorsichtiges Experiment begann, fand am 16. Juli ab Beitrag Nr. 49 unter dem Titel „Notizen aus der Warteschleife“ nicht nur seinen Namen, sondern auch mehr Tiefe und Qualität. Es war der Moment, in dem aus bloßem Schreiben eine Art Handwerk wurde. Ein Prozess, der mir gezeigt hat, wie viel besser Ergebnisse werden, wenn man mit Ausdauer an der eigenen Form feilt.

Ich hätte nie gedacht, dass daraus ein ganzes Archiv an Beobachtungen, Skizzen und ja, fast schon ein fertiges Buch entstehen würde.

Was lehrt einen die Zahl 100 über Disziplin? Vor allem, dass sie nichts mit Motivation zu tun hat. Disziplin ist der sture Begleiter, der dich bei Notiz Nr. 49, 99 und 155 am Schlafittchen packt und sagt: „Schreib weiter. Du hast eine Geschichte zu Ende zu erzählen.“

Diese 100 „Notizen“ sind für mich der Beweis, dass ich eine Sache durchziehen kann. Auch ohne Projekt, ohne Deadline von außen und ohne das Versprechen auf einen Bonus am Jahresende (der dann doch gestrichen wird).

In einer Zeit, in der alles agil und oft auch ein bisschen unverbindlich ist, war dieses Projekt mein Anker. Ich habe gelernt, dass man die besten Ideen oft erst dann bekommt, wenn man die Langeweile nicht sofort mit YT Shorts oder Computerspielen zu verscheuchen versucht, sondern sie aushält, bis sie anfängt zu neuer Motivation zu werden.

Das Buch über diese Zeit ist jetzt fast fertig geschrieben. Und jede gute Dramaturgie braucht einen Schlusspunkt, damit Platz für die Fortsetzung ist.

Und ich finde, die 100 wäre der perfekte Moment, um das Manuskript dieser Lebensphase zuzuklappen. Ich nehme daraus nicht nur eine ordentliche Portion Selbstkenntnis mit, sondern vor allem die Gewissheit: Wenn ich mir etwas vornehme, dann bringe ich es zu Ende.

Die Warteschleife ist allerdings noch nicht ganz an ihrem Ende angekommen. Aber, jetzt wäre ein wirklich guter Zeitpunkt!

Die Musik im Wartezimmer wird leiser, das Licht im Saal geht an. Ich bin bereit für das nächste Kapitel und dieses Mal möchte ich es nicht mehr allein am Schreibtisch schreiben, sondern in einem Team, das Lust auf jemanden hat, der bewiesen hat, dass er einen langen Atem besitzt.

Wer von euch hat auch ein Langzeitprojekt, das er dieses Jahr finalisieren will?

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