Kennt Ihr das Gefühl, in einem Film festzustecken, dessen Drehbuch ein Sadist geschrieben hat?
Ich befinde mich derzeit in einer bizarren Kreuzung aus zwei Klassikern: Morgens wache ich auf wie Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der Wecker klingelt, und ich weiß genau, was folgt: Die rituellen Klicks auf Jobportale, die immer gleichen Standard-Absagen im Postfach, das immer öfter stattfindende Ghosting, das endlose Echo einer Welt, die mir signalisiert, dass heute wieder der 1. März 2024 ist. Ein statischer Zustand, in dem die Zeit zwar vergeht, aber nichts passiert.
Doch wenn ich dann in den Spiegel schaue, begegnet mir Franz Kafka.
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“
Ich wachte 2 Jahre später auf und irgendwas war anders.
Ich hatte keine sechs Beine, keinen Panzer und musste auch nicht unter dem Sofa verschwinden. Ich bin einfach nur als Arbeitssuchender, der nicht mehr 31 ist, aufgewacht. Das ist auf LinkedIn und auf dem Arbeitsmarkt ungefähr die gleiche soziale Kategorie.
Kafka wusste wohl: Manche Verwandlungen beginnen nicht mit Fanfare, sondern mit einem stillen Schock am Morgen. Mit dem Gefühl, dass die Welt weiterläuft, während man selbst. Irgendwie. Nicht mehr hinein passt.
Gregor Samsa versuchte es auch erst zu ignorieren. Er dachte: Vielleicht wird es wieder normal. Vielleicht ist es nur vorübergehend. Vielleicht muss ich einfach härter krabbeln.
Ich kenne das Gefühl.
Die ersten Monate: Bewerbungen schreiben, warten, hoffen. Nett abgelehnt werden. Oder gleich komplett geghostet, was fast schlimmer ist. Irgendwann fragt man sich: Bin ich das Problem? Oder ist es das System? Oder beides?
Man entwickelt dabei Fähigkeiten, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie braucht.
Zum Beispiel kann ich inzwischen:
– sehr schnell PDFs erzeugen
– die schönsten Anschreiben schreiben
– erstaunlich viele Varianten meines Lebenslaufs formulieren
– zwischen den Zeilen von Stellenanzeigen lesen
– drei mal die Woche Beiträge für LinkedIn schreiben und posten
– und innerhalb von Sekunden erkennen, ob eine Absage von einem Menschen oder von einem System geschrieben wurde.
Das klingt jetzt vielleicht nach einer etwas seltsamen Form von Weiterbildung.
Ist es auch.
Der Unterschied zu Gregor?
Er hat irgendwann aufgehört, sich zu bewegen.
Ich nicht.
Stattdessen habe ich angefangen, in eine andere Richtung zu krabbeln.
tbc.

















































