Mehr arbeiten für mehr Wohlstand? Ein Trugschluss

In Talkshows, Interviews und Wahlprogrammen hört man es jetzt wieder öfter:

„Wir müssen wieder mehr arbeiten.“

Ein Satz wie aus der Mottenkiste der 50er/60er Jahre – dabei leben wir längst in einer ganz anderen Realität.

Moderne Arbeit ist meist keine Fließbandarbeit. Sie ist wissensbasiert, kreativ, kommunikativ. Sie verlangt Konzentration, emotionale Intelligenz, Innovationskraft. Und die wachsen nun mal nicht linear mit der Anzahl der Stunden.

Im Gegenteil: Studien zeigen seit Jahren, was viele aus eigener Erfahrung wissen – nach sechs, spätestens acht Stunden sinkt die kognitive Leistungsfähigkeit rapide. Kreative Ideen verabschieden sich, Fehler schleichen sich ein, Sinnlose Meetings werden zur Zusatzbelastung. Was bleibt, ist ein müdes Ich mit der Illusion von Effizienz und Kreativität.

Trotzdem geistert der Glaube herum, wir könnten unsere gesellschaftlichen Probleme „weg-arbeiten“ – als ginge es um Kohleschippen, nicht um komplexe Lösungen.

Mehr Stunden bringen nicht mehr Ergebnis. Sie bringen Erschöpfung.

Die wahre Frage ist nicht: Wie viele Stunden?

Sondern: Wie arbeiten wir?

Mit welcher Haltung, welchem Fokus, welchen Rahmenbedingungen?

Vielleicht brauchen wir also nicht mehr Arbeit. Sondern mehr Vertrauen in Qualität statt Quantität.

Mehr Mut zur Arbeitszeitverkürzung, zur Selbstbestimmung und zum Denken.

Denn wenn das Denken wieder stärker zur Arbeit zählt, könnte echter Fortschritt entstehen – ganz ohne Burnout und Sonntagsreden.

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