Ich starte jeden Tag voller Elan. Die Ausrüstung sitzt, der Lebenslauf ist frisch gestutzt, das Anschreiben wetterfest neuformuliert. Auf den ersten Kilometern winken freundlich verfasste Jobanzeigen. „Teamplayer gesucht.“ „Kreative Köpfe willkommen.“ „Wir freuen uns auf Deine Bewerbung.“ Der Weg scheint begehbar.
Dann ziehen graue Wolken auf. Es wird kälter. Eine Stellenanzeige klingt verdächtig nach Praktikum, ist aber für „Senior Professionals“. Eine Agentur sucht jemanden mit langjähriger Erfahrung für ein junges, dynamisches Team. Ein HR-Bot sortiert mich aus, weil ich „zu viel“ mitbringe.
Plötzlich stehe ich am Abgrund: „Überqualifiziert“ und „zu Alt“. Ich rutsche ab, lande in einem Schlitterhang aus Ghostings, Standardabsagen, Bewerbungstools mit 12 Pflichtfeldern. Ich atme flacher – nicht wegen des Alters, sondern wegen der Aussicht: Wann hat man eigentlich vergessen, dass Erfahrung kein Gewicht ist, das man mitschleppt, sondern ein Seil, an dem sich andere festhalten können?
Ich bin 60. Und natürlich immer noch unterwegs. Mit einer Trinkflasche voller Neugier, einem Kompass aus Haltung – und ein paar Blasen an den Füßen, zugegeben.
Aber was soll’s!? Die Luft hier oben ist klar. Und ich sehe schon die nächste Hütte. Der Weg ist das Ziel.

















































