Neulich saß ich vor einer Stellenanzeige und dachte: Das bin doch ich! Also nicht im Sinne von „Ich könnte das machen“, sondern im tiefen, metaphysischen Sinn von „Diese Anzeige spricht mich an, als hätte ich sie selbst für mich geschrieben.“
Die Bewerbung ging also raus. Wie immer auf die Anzeige optimiert. Es gab Rückmeldung. Ich sprach mit freundlichen Menschen. Ich lächelte. Ich nickte. Ich warf mit Soft Skills um mich wie Bonbons auf einem Faschingszug. Und dann – wie so oft – der Satz: „Wir melden uns.“
Improtheater funktioniert so ähnlich. Man betritt die Bühne ohne Text, man spielt, man reagiert, man erfindet sich im Moment. Nur dass man beim Improtheater am Ende wenigstens Applaus bekommt. Auf dem Arbeitsmarkt hingegen wartet man. Und wartet. Man fragt nach, wird abgewiesen. Und wartet.
Zwischen „Wir melden uns“ und „Leider müssen wir Ihnen mitteilen…“ liegt ein Raum, der nach kaltem Kaffee, abgelaufenen Hoffnungen und stillgelegtem WLAN duftet. Und in diesem Raum spielt sich das Drama der modernen Jobsuche ab. Ohne Regie. Ohne Dramaturgie. Und leider auch oft: ohne Pointe.
Aber ich bleibe auf der Bühne. Denn manchmal kommt sie ja doch – diese eine Rolle, die passt wie ein von Beginn an perfekt sitzender Wanderschuh, der nicht drückt, sondern fast von alleine pilgert.
Bis dahin: Applaus ist nicht alles. Aber ein bisschen Sichtbarkeit auf LinkedIn kann nicht schaden.
Also: dann: #hire60

















































