Es gibt Stellenanzeigen, die beginnen mit dem Satz: „Wir suchen kreative Köpfe.“ Das ist bemerkenswert. Denn im weiteren Verlauf der Anzeige stellt sich heraus, dass eigentlich kein kreativer Kopf gesucht wird, sondern eine sehr spezielle Lebenslauf-Konserve.
Jemand, der bitte kein Quereinsteiger ist, aber gleichzeitig unternehmerisch denkt. Jemand mit Leidenschaft, der aber möglichst nicht fragt, wie viel Leidenschaft eigentlich bezahlt wird. Kurz gesagt: ein Mensch, der in eine Excel-Spalte passt und das ATS nicht nervös macht.
Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren merkwürdig verändert. Früher sprach man von einem Arbeitgebermarkt oder einem Arbeitnehmermarkt. Heute wirkt es eher wie ein Castingformat, bei dem Millionen Menschen vorsprechen und am Ende gewinnt der Algorithmus.
Dabei hören wir gleichzeitig überall vom Fachkräftemangel. Ein interessantes Wort. Es bedeutet offenbar: Fachkräfte fehlen. Allerdings nur die exakt passenden, perfekt geformten, sofort einsetzbaren Fachkräfte ohne Alter, Brüche oder Lebensgeschichte.
Wer Umwege im Lebenslauf hat, gilt als seltsam.
Wer älter ist, gilt als Kostenfaktor und Risiko.
Wer Quereinsteiger ist, gilt als gefährliches Experiment.
Das Paradoxe daran: Ein Land, das sich gern als Land der Denker, Ingenieure und Tüftler versteht, tut erstaunlich viel dafür, dass Menschen möglichst wenig denken oder experimentieren.
Selbstständigkeit gilt schnell als verdächtig. Wer etwas Eigenes versucht, wird zunächst skeptisch beäugt und kurz darauf in ein dichtes Netz aus Formularen, Vorschriften und freundlichen Hinweisen eingewickelt.
Die Weltwirtschaft wirkt nervös wie ein Orchester kurz vor der Generalprobe, während draußen irgendwo schon wieder ein Krieg beginnt. In den USA regiert ein Mann, der Politik offenbar für eine Mischung aus Reality-Show und Abrissparty hält. Europa wiederum reagiert darauf mit einer Mischung aus Besorgnis, Selbstverleugnung und dem diplomatischen Reflex, möglichst niemanden zu verärgern.
Währenddessen werden überall radikale Stimmen lauter. Die einfachen Antworten kehren zurück, geschniegelt, verlogen und mit sehr viel Selbstbewusstsein und leider auch Erfolg.
All das hat natürlich auch Folgen für den Arbeitsmarkt. Unternehmen werden vorsichtiger. Entscheidungen langsamer. Risiken unpopulärer. Und plötzlich wirkt selbst ein Mensch mit 25+ Jahren Berufserfahrung wie eine unsichere Investition.
Manchmal stehe ich also mitten in diesem großen wirtschaftlichen Bühnenstück und denke: Vielleicht ist der Arbeitsmarkt gar kein Markt mehr. Vielleicht ist er doch eher ein Museum.
Ein Ort, an dem man sorgfältig konservierte Idealbiografien ausstellt und gelegentlich prüft, ob sie noch in die Vitrine passen.
Und irgendwo zwischen den Glasvitrinen steht dann jemand wie ich, betrachtet die Exponate und fragt sich leise, ob nicht gerade draußen, ob nicht woanders die eigentliche Zukunft stattfindet.

















































