Notizen aus der Warteschleife. Folge 86: Chronik einer unvollendeten Verwandlung. Teil 2.

Während ich äußerlich noch versuche, die Beine zu sortieren, um den nächsten „Karriere-Zug“ zu erreichen, wachsen mir eigentlich schon Flügel. Noch etwas Straußenartig, aber immerhin Flügel.

Ich stecke fest zwischen der Wiederholung des Alten und der Geburt des Neuen. Das System will, dass ich das Murmeltier bleibe. Es schickt mich immer wieder an denselben Startpunkt zurück, in der Hoffnung, dass ich irgendwann aufgebe oder mich dem Schicksal der Bedeutungslosigkeit füge.

Aber das System hat die Rechnung ohne meine nächtlichen Ausflüge gemacht:
In meinen 3D-Ausstellungen auf Instagram erschlage ich die Eintönigkeit der Zeitschleife durch analog/digitale Architektur.

In meinem Buch seziere ich das Murmeltier, bis es seine Geheimnisse preisgibt.

Auf scribbs.de baue ich an einer Realität (Mein Blog, twings, scribbs, snaps), in der der Wecker morgen etwas völlig Neues spielen wird .

Auf scooco.de bastle ich an meinem eigenen Soundtrack.

Ich bin noch nicht fertig verwandelt. Ich bin in jener seltsamen Zwischenwelt, in dem man das Zimmer noch nicht verlassen kann, aber die Wände bereits zu atmen beginnen. Vielleicht sollte ich die Posts umbennen in: „Notizen aus dem Dazwischen“.

Eine Metamorphose, die noch nicht fertig ist, die aber schon mal eine interessante Richtung vorgibt.

Kafka hat nie erklärt, warum Gregor zum Käfer wurde. Das war wohl der Punkt: Manchmal passieren Dinge einfach. Manchmal wacht man auf und alles ist anders. Die Frage ist nicht warum, sondern was man daraus macht.

Gregor wurde von seiner Familie nicht mehr verstanden. Ich merke: Wer sich verändert, wird manchmal auch nicht mehr erkannt, von anderen, manchmal sogar von sich selbst.

Aber genau da passiert Wachstum. Nicht im Komfort. Nicht im Gewohnten. Sondern genau dort, wo man sich zuerst noch fremd fühlt.

Gregor Samsas Geschichte endete tragisch.
Meine? Die ist zum Glück noch offen.
Und genau das ist das Aufregende daran.

Vielleicht ist die tägliche Wiederholung gar keine Strafe, sondern ein Training. Eine Übung in Geduld, bis der Kokon reißt. Eines Morgens wird das Murmeltier aufwachen und feststellen, dass Gregor Samsa nicht mehr im Bett liegt, weil er einfach aus dem Fenster geflogen ist und sich selbst eine neue Welt sucht, in die er hinein passt.

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