Ich habe mich beworben – bei mir selbst. Und jetzt?

Am Mittwoch habe ich ein Experiment gemacht: Ich habe eine Stellenanzeige geschrieben – für mich von mir an mich. Als Selbstreflexion, um eine Blickwinkeländerung herbeizuführen. Um zu versuchen die Personaler besser zu verstehen, da es so gut wie nie ehrliches Feedback gibt.

Viel zu viele Bewerbungen während viel zu langer Arbeitslosigkeit. Viel zu viele Absagen. Und irgendwann fragt man sich: Habe ich überhaupt noch eine Chance?

Ich habe mich also hingesetzt und mich gefragt: Was kann ich? Was will ich? Was ist meine Rolle in einer Arbeitswelt, die nicht einfacher wird – und gleichzeitig immer stiller, wenn es um Wertschätzung geht?

Die Antwort war nicht einfach. Denn da ist Erfahrung – ja. Aber da ist auch ein Alter, auf das ein Großteil der Personaldienstleister einen ganz seltsamen Blick zu haben scheint. Als wäre man ab einem gewissen Alter schon sowas wie Scheintot.

Da ist Know-how. Da ist Erfahrung. Das ist Neugier. Da ist Zuverlässigkeit. Da ist Teamgeist. Da ist Qualität. Alles da. Und jetzt? Mmmh, ein Blick aufs Geburtsdatum – und ab in Ablage P. Wenn die Bewerbung nicht schon vorher komplett rausgefiltert wurde.

Und da ist eine Realität, die näher rückt: Bürgergeld. Nicht, weil ich nichts tun würde – im Gegenteil. Sondern weil die Jobs, die ich könnte, offenbar nicht für Menschen gedacht sind, die sie ruhig, klug und gründlich erledigen. Sondern für solche, die „jung & dynamisch“ sind, am besten mit KI im Blutkreislauf. Wobei ich vielleicht nicht mehr als „jung“ zu bezeichnen bin, aber durchaus dynamisch. Und mit KI arbeite ich ebenfalls. So what?

Ich frage mich also: Was kann ich noch tun? Weiter hoffen? Noch mehr Bewerbungen? Alles neu erfinden? Oder anfangen, an mir zu zweifeln?

Ich tendiere – noch – zur Hoffnung. Aber ich bin ehrlich: Es wird schwerer. Ich brauche neue Ideen.

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