Zwei Jahre arbeitslos. 24 Monate „Open To Work“ wie es hier so schon heißt. 370 Tage „arbeitssuchend“. Ein Begriff, der so tut, als liege die Arbeit irgendwo unter einer Parkbank versteckt und man sei einfach nur zu dumm oder zu faul, sie zu finden.
Man bekommt dafür erstaunlicherweise weder Blumen noch eine Urkunde. Nicht einmal einen Obstkorb. Dabei sind Jubiläen in Deutschland doch eigentlich eine sehr ernste Angelegenheit.
10 Jahre im Unternehmen: Uhr.
20 Jahre: Rede vom Vorstand.
30 Jahre: vermutlich ein Parkplatz näher am Eingang (oder Entlassung, weil zu alt ;-).
Was habe ich in diesen zwei Jahren gelernt?
Ich habe die hohe Kunst des „Choreografie der Selbstverleugnung“ perfektioniert. Ich habe gelernt, wie man Lebensläufe so glattbügelt, dass keine Falte der Erfahrung mehr hängen bleibt. Ich beherrsche das Ritual der künstlichen Begeisterung in Vorstellungsgesprächen, bei denen man mich wie ein antikes Ausstellungsstück betrachtet, das man zwar bewundert, aber aus Angst vor den Unterhaltskosten und der Haltbarkeit lieber nicht mit nach Hause nimmt.
Aus „Können und Erfahrung“ wurde irgendwann „Impact und Benefit“.
Ich habe gelernt, dass „Fachkräftemangel“ ein Codewort für „Wir suchen jemanden, der 25 ist, 40 Jahre Erfahrung hat und mit Luft und Liebe bezahlt wird“ ist.
Ich weiß jetzt, dass „wir melden uns“ ein Versprechen ist wie „wir sehen uns mal (bzw. nie) wieder“, herzlich gemeint, konstitutionell ausgeschlossen. Ich weiß, dass „kulturelle Passung“ das ist, was man sagt, wenn man „zu alt“ meint, aber zu höflich ist, es zu sagen oder zu vorsichtig, es zu schreiben. Oder Angst vor eine Klage hat (was ich allerdings nie tun würde).
Wobei die Unternehmen doch ganz einfach mal mit der Diskriminierung aufhören könnten. Dann bräuchten sie auch keine Angst vor Klagen zu haben ;-).
Ich weiß, dass ein Lebenslauf mit Ecken in Deutschland behandelt wird wie ein Möbelstück, das nicht durch die Tür passt: Man bewundert es kurz, und kauft dann doch das flachere und billigere aus dem IKEA-Katalog.
Ich weiß außerdem: „Wir haben uns für einen anderen Kandidaten entschieden“ bedeutet nicht, dass der andere Kandidat besser war. Es bedeutet lediglich, dass er existiert. Das reicht manchmal schon.
Der deutsche Arbeitsmarkt ist, so meine Beobachtung nach 730 Tagen Feldforschung, im Grunde eine mittelgroße Personalabteilung, die händeringend Fachkräfte sucht. Und zwar so händeringend, dass sie dafür einen dreimonatigen internen Abstimmungsprozess aufgesetzt hat, an dessen Ende ein Komitee zu dem Schluss kommt, dass man die Stelle vielleicht doch nochmal neu ausschreiben sollte. Mit leicht angepasstem Anforderungsprofil. Fünf Jahren Berufserfahrung mehr und nach unten angepasstem Gehaltsangebot.
Die Fachkraft, gerührt von so viel Sorgfalt, wartet (und notiert weiter). Der Markt, gerührt von gar nichts, tut es nicht.

















































