Irgendwann musste ich feststellen, dass ich mit 61 keinen Job mehr finden werde. Aber was tun? Am 01. März 2026 sind es 2 Jahre. 18 Monate ALG1 und 6 Monate Bürgergeld. Die Absagen habe ich ab 300 aufgehört zu zählen.
Aufgeben ist keine Option. Was bleibt, ist der Weg in die Selbstständigkeit. Was auch nicht ganz einfach ist. Von 2002 – 2004 war ich schon mal selbstständig als Mediengestalter.
Warum fühlt sich der Schritt in die Eigenständigkeit heute an wie der Versuch, mit einem selbstgebauten Floß den Ozean zu überqueren, während die Küstenwache einem im Namen der Sicherheit ständig die Ruder wegnimmt? Ganz besonders, wenn man die 60 überschritten hat und eigentlich nur seine Expertise anbieten möchte? Die Antwort ist keine bloße Vermutung, sondern ein systemisches Design: Echte Eigenständigkeit ist politisch und industriell nicht erwünscht.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir uns in eine Sackgasse der „organisierten Abhängigkeit“ manövriert. Unser Staat ist als Erwerbsarbeitnehmer-Staat konzipiert. Er liebt den Angestellten: Er ist steuerlich leicht zu erfassen, in Sozialkassen berechenbar und in Hierarchien kontrollierbar.
Wer jedoch beschließt, für sich selbst zu sorgen, wird zum „Systemfremden“. Schauen wir uns die Fakten an: Das Damoklesschwert der Scheinselbstständigkeit schwebt über jeder Buchung. Was als Schutz vor Lohndumping gedacht war, verhindert heute, dass hochqualifizierte Experten auf Honorarbasis gebucht werden. Unternehmen haben schlicht Angst vor den vagen Kriterien der Rentenversicherung und lassen es lieber ganz bleiben.
Hinzu kommt eine Bürokratie ohne Bagatellgrenze. Ein Solo-Selbstständiger muss heute dieselben administrativen Hürden nehmen wie ein Mittelständler, nur ohne Rechtsabteilung und Buchhaltung.
Von der DSGVO bis zu statistischen Meldepflichten: Es frisst die Zeit, in der man eigentlich Wert schöpfen sollte. Man möchte keine freien Geister, die Expertise direkt am Markt anbieten. Man möchte Rädchen im Getriebe, deren Arbeitskraft durch Schichten von Verwaltung gefiltert wird.
Doch was macht man, wenn man in diesem Getriebe mit 61 Jahren gar keinen Platz mehr bekommt? Wenn man für die Anstellung zu „alt“ und für die Selbstständigkeit zu sehr mit Hürden belastet wird?
Ich arbeite schon eine Weile am Übergang, an der Rückgewinnung meiner Autonomie. Ich baue meine Welten auf scribbs.de und schreibe an meinem Buch. Es ist ein mühsamer Weg, gesäumt von bürokratischen Hürden und künstlich in die Höhe getriebenen Preisen.
Aber es ist eine Möglichkeit, vielleicht sogar die einzige, die bleibt, wenn man sich weigert, unsichtbar zu werden. Freiheit ist in diesem System kein Geschenk, das man erhält; sie ist eine Entscheidung, die man jeden Tag aufs Neue trifft.

















































