Die Kultur der Oberflächlichkeit – oder: Warum wir heute alles liken, aber nichts mehr wirklich lieben.

Manchmal stelle ich mir vor, wie es gewesen wäre, wenn große Künstler Instagram gehabt hätten. Van Gogh postet ein Selfie mit Sonnenblumen: „Work in progress. Feedback welcome.“ Kafka schreibt in die Story: „Neues Kapitel zu „Die Verwandlung“. Läuft zäh, wie soll es nach dem Aufwachen weitergehen?“

Und darunter: Likes. Herzen. Emojis. Aber keine Tiefe.

Heute wird alles geliked – doch kaum noch etwas wirklich gesehen. Wir scrollen, wischen, nicken. Hören Musik nebenbei, lesen Texte quer, schauen Bilder im Vorbeigehen. Wir konsumieren – aber behalten nichts. Nichts bleibt. Nichts rührt uns.

Vielleicht ist es Zeit für einen kleinen Aufstand. Einen stillen.

Ein Bild wirklich betrachten. Eine Melodie bewusst hören. Einen Whisky schmecken – ohne Blick aufs Handy. Nicht, weil es retro ist. Sondern, weil es echt ist.

Vielleicht wird die Welt dadurch nicht langsamer oder aufmerksamer. Aber wir könnten es werden.

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