Notizen aus der Warteschleife – Folge 2: „Ghosting auf Business-Deutsch“

Früher hieß das einfach: Funkstille. Heute klingt’s eleganter:

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für eine Rückmeldung noch etwas Zeit benötigen, da wir jede Bewerbung sorgfältig prüfen. Wir setzen uns so bald wie möglich mit Ihnen in Verbindung. “

Dann: Nichts mehr!

In den letzten Monaten gab es vermehrt nicht mal mehr eine Bestätigungsmail auf die Bewerbung.

Ich habe Bewerbungsgespräche geführt. Ich war immer vorbereitet, pünktlich, freundlich. Ich habe Fragen gestellt, Antworten gegeben, war freundlich interessiert. Und dann: Schweigen.

Kein Feedback. Kein „leider nein“. Kein Emoji. Nur Stille – in business casual.

Manchmal denke ich, ich sollte mich nochmal melden. Dann überlege ich, ob das schon als Belästigung gilt. Oder als Zeichen von Engagement – das man dann wiederum komisch findet. Besser nicht?! Manchmal mach ich’s dann doch und es kommt: keine Antwort oder die nächste Standardmail. Auch bei Rückfragen auf Absagen gibt es meist nichtmal eine Antwort, geschweige denn eine Erklärung. Das kleine bisschen Respekt ist wohl zuviel verlangt.

Vielleicht ist das ja der neue Stil: Absagen durch Ghosting. Macht ja auch weniger Arbeit. Zeitersparnis als HR-Prozess. Ein Ghost in der Maschine.

Ich bleibe trotzdem höflich. Ich schreibe weiter. Ich verschwinde nicht. Auch wenn man mich manchmal behandelt, als wäre ich schon weg.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner