Notizen aus der Warteschleife – Folge 1: „Sie sind leider nicht in die engere Auswahl gekommen“

Sätze, die klingen wie eine höfliche Fußmatte. Man wischt sich kurz die Hoffnung ab und geht weiter.

Seit Monaten schreibe ich Bewerbungen. Ich gestalte, formuliere, schicke los – in alle Richtungen. Und dann: nichts. Oder diese Mails, die klingen, als hätte sie ein respektloser Algorithmus kurz vorm Burnout verfasst:

  • Vielen Dank für Ihre Bewerbung. Leider haben wir uns für einen anderen Weg entschieden.
  • Nach ausführlicher Sichtung Deiner Unterlagen möchten wir Dir mitteilen, dass uns Bewerbungen vorliegen, deren Qualifikationen noch etwas besser zu der ausgeschriebenen Stelle passen.
  • Nach sorgfältiger Prüfung haben wir uns entschieden, den Prozess mit anderen Kandidat:innen fortzusetzen.
  • Leider müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass Ihre Bewerbung nicht in die engere Auswahl gekommen ist. Manchmal entscheiden nur Nuancen, insbesondere wenn wir die Auswahl aus einem hochqualifizierten Bewerberfeld zu treffen haben.
  • tbc.

Was wäre ein anderer Weg? Vielleicht ein besser beleuchteter. Vielleicht jünger (is aber wie’s is). Vielleicht mit hipperen Skills. Oder einfach besser vernetzt.

Ich sitze derweil in der Warteschleife und schreibe mit. Nicht aus Groll. Sondern, weil man aus der Peripherie manchmal klarer sieht. Die Muster. Die Rhetorik. Die Absurditäten.

„Notizen aus der Warteschleife“ ist meine neue Serie über das Leben zwischen zwei Jobs. Nicht resigniert. Nicht pathetisch. Sondern: mit Geduld, Humor und einem Einblick ins Innere des Systems.

Folge 2 kommt bald. Vielleicht noch vor der nächsten Standardabsage. Vielleicht auch danach. Ich bin ja da. Mal sehen, wie viele es werden?

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