Notizen aus der Warteschleife. Folge 9: Künstler des Überlebens.

Manchmal ist das Einzige, was zwischen dir und dem Wahnsinn steht, ein Filzstift, ein Pixel. Oder ein Track. Oder ein Text, der so tut, als wäre die Welt einfach nur schön und gerecht.

Ich bin arbeitslos. Das ist die eine Wahrheit. Ich bin Künstler. Das ist die andere. Und dazwischen: eine tägliche Performance zwischen Bewerbungsplattformen, Bürgergeldformularen und dem Versuch, nicht komplett durchzudrehen.

Kunst ist in diesen Tagen nicht bloß ein Hobby. Sie ist Strategie. Rettungsleine. Realitätsverzerrungsfeld mit Ergebnis.

Ich zeichne. Ich komponiere. Ich schreibe. Nicht immer, weil ich will – manchmal einfach, weil es nicht anders geht. Weil das System mir sagt: Du bist gerade nichts wert, und ich antworte: Warte mal kurz, ich mach daraus ein Kunstprojekt.

Ich habe gelernt: Man kann sich auch dann als kreativ betrachten, wenn man den Antrag auf Bürgergeld künstlerisch faltet. Man kann in der Warteschleife der Agentur für Nichtarbeit Beats bauen. Und man kann trotz allem noch Schönheit sehen. Im Chaos. Im Warten. Im Trotzdem. Irgendwie.

Überleben ist ein Handwerk. Leben eine Kunst.

Ich mache beides. Jeden Tag. Und wer mich einstellt, bekommt nicht nur einen Mediengestalter und/oder Projektmanager – sondern jemanden, der mit ganzem Herzen gegen das Grau anarbeitet.

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