Heute ist mein 75. Beitrag aus der Reihe „Notizen aus der Warteschleife“ . Ungeplantes Jubiläum! Konfetti aus Absageschreiben.
In der Zeit, in der ich hier schreibe, haben andere ein Startup gegründet, es gegen die Wand gefahren und die nächste Finanzierungsrunde klargemacht. Ich hingegen habe gelernt, dass „Bürgergeld“ ein Wort ist, das in der deutschen Sprache eine erstaunliche klebrige Konsistenz besitzt.
Man sagt uns: „Arbeitet mehr!“ Ich antworte: „Ich stehe hier mit einem Werkzeugkasten voller Erfahrungen aus Agenturen und Unternehmen, aber das System hat vergessen, wo die Tür ist.
Ich bin 61. Ich bin Projektmanager und Gestalter. Ich bin Künstler. Ich bin kein statistischer Kollateralschaden. Wer glaubt, dass Erfahrung ein Auslaufmodell ist, hat den Schuss nicht gehört. Wir sind nicht die „Ausgedient“, wir sind die Generation „Unkaputtbar“. Wer traut sich, jemanden einzustellen, der keine Angst mehr vor Fehlern hat, weil er sie alle schon mal gelöst hat?“
Die Zahl 75 hat etwas Einschüchterndes. Es ist die Menge an Posts, nach der man entweder zum Guru aufsteigt oder anfängt, seine Zimmerpflanzen nach ihrer Meinung zum Fachkräftemangel zu befragen.
Wenn man in diesem Status der permanenten Ablehnung verharrt, entwickelt man eine fast schon hellseherische Fähigkeit: Ich kann inzwischen in der E-Mail-Vorschau am Text in der Betreffzeile erkennen, wie kreativ die Begründung ist, warum man meine 25 Jahre Expertise gerade heute leider nicht gebrauchen kann. Es ist eine Form von modernem Wahrsagen, nur dass die Kristallkugel dann doch nur einen Standardtext abgesondert haben wird.
Wir leben in einer Zeit, in der man uns einreden will, dass unsere biologische Uhr das Verfallsdatum unserer Ideen diktiert. Was für ein monumentaler Unsinn. Energie ist keine Frage des Geburtsdatums, sondern der Entscheidung, morgens aufzustehen und die Welt mit der gleichen Präzision zu gestalten, als würde man gerade das nächste Weltreich entwerfen. Auch wenn man eigentlich nur das Layout für einen weiteren LinkedIn-Post entwirft.
Die Politik schwenkt die Fahne der „Arbeit für alle“, während die Realität in den Personalabteilungen oft so mutig ist wie ein Hamster im Laufrad. Man wünscht sich Innovation, hat aber Angst vor der Souveränität derer, die wissen, wie man sie umsetzt.
Aber wissen Sie was? Diese 75 Posts sind kein Hilferuf. Sie sind eine Belagerung. Ich habe nicht vor, leiser zu werden, nur weil die Statistik es gerne so hätte. Wer 300+ Absagen überlebt, ohne den Humor zu verlieren, hat eine psychische Panzerung, gegen die jeder Junior-Berater wie ein nasses Handtuch wirkt.
Wir sind hier. Wir sind bereit. Und wir haben die besseren Pointen.

















































