Eigentlich ist es ein physikalisches Wunder: Man verbringt über zwei Jahrzehnte damit, Kompetenz aufzubauen, Projekte zu stemmen und gestalterische Schlachten zu schlagen. Nur um am Ende festzustellen, dass man für den modernen Arbeitsmarkt eine beachtliche Ähnlichkeit mit einem historischen Monument entwickelt hat. Man wird zwar respektvoll betrachtet, aber niemand verweilt länger und alle gehen zügig weiter ohne sich nochmal umzusehen.
In der Theorie rufen Politik und Wirtschaft nach der „Generation Erfahrung“. Und wir sollen alle länger arbeiten. Pro Tag, Woche und Leben. Unabhängig von der Sinnlosigkeit dieser Forderung, müsste man dafür aber auch erstmal einen Job zum Mehrarbeiten haben.
In der Praxis fühlt sich eine Bewerbung mit 61 oft so an, als würde man versuchen, eine handverlesene Briefmarkensammlung gegen Kryptowährungen zu tauschen. Man erntet ein wohlwollendes Lächeln, gefolgt von der Standard-Absage, die so klinisch rein formuliert ist, dass man fast den Desinfektionsmittelgeruch der HR-Abteilung riechen kann.
In diesem Jahr auf LinkedIn habe ich beschlossen, die Rolle des Bittstellers abzulegen. Wenn man mir sagt, ich passe nicht ins ‚junge, dynamische Gefüge, dann ist das keine Kritik an meinem Alter, sondern ein unfreiwilliges Geständnis über die Zerbrechlichkeit dieses Gefüges.
Die bisherigen Texte sind meine Berichte aus der Absurditätenzone. Sie handeln vom Versuch, die eigene Würde nicht an der Garderobe eines Arbeitsamtes oder eines Jobcenters abzugeben und stattdessen die Leinwand und das Internet mit der Präzision zu füllen, die man eben nur nach 25 Jahren im Geschäft besitzt.
Anfangs eher als temporäre Content-Fingerübung gedacht, sind daraus insgesamt 126 Beiträge geworden. Und 72 mal die „Notizen aus der Warteschleife“.
Es geht also weiter. Irgendwie. Und bestimmt auch irgendwann Irgendwohin.

















































