Notizen aus der Warteschleife. Folge 57: Wertschätzung ist keine Kür, sie ist Grundversorgung.

Manchmal habe ich das Gefühl, Unternehmen behandeln Wertschätzung wie eine exotische Delikatesse: „So, heute gibt’s ausnahmsweise mal ein bisschen Lob? Aber nur ein kleines Häppchen bitte, wir wollen die Belegschaft nicht überfüttern.“

Dabei ist Wertschätzung kein Kaviar. Sie ist eher wie Kartoffeln, Reis oder Brot. Grundnahrungsmittel. Etwas, das jeder mag und das erstaunlich gut wirkt gegen Frust, Müdigkeit und das Gefühl, nur eine Personalnummer auf zwei Beinen zu sein.

Als Bewerber im deutschen Arbeitsmarkt passiert oft Folgendes: Man bekommt ein automatisiertes „Danke für Ihre Bewerbung“-Mailing, das sich anfühlt wie der Kassenzettel im Supermarkt: unpersönlich, kalt, und man weiß nicht so recht, warum man sich trotzdem bedankt.

Man bekommt Feedback in der Form von:
„Wir haben uns für jemand anderen entschieden.“
Ach was!
Ich hätte fast gedacht, Ihr habt euch für mich entschieden und mir verheimlicht, wann ich anfangen soll.

Und im Job selbst?
Da ist Wertschätzung manchmal ein seltenes Naturphänomen: Man hört davon, aber gesehen hat es kaum jemand.

Dabei ist es so einfach:
Wertschätzung heißt nicht lobhudeln.
Wertschätzung heißt wahrnehmen.
Ich sehe, was du tust. Und es ist nicht selbstverständlich.
Sie kostet nichts. Nicht mal Budget. Nur etwas Aufmerksamkeit.

Und ich wage eine steile These:
Würden Unternehmen Wertschätzung als Grundversorgung behandeln, gäbe es weniger Burnout, weniger Kündigungen, weniger Bewerberfrust, mehr Erfolge, weniger Absprung in die Selbstständigkeit (oder Kunst ;-).

Manchmal kann etwas so einfach sein. Ist auch nicht so schwer. Am besten einfach mal ausprobieren.

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