Es gibt im deutschen Recruiting ein mysteriöses Wesen, um das sich Mythen, Legenden und leises Unbehagen ranken: den Quereinsteiger.
Ein Mensch, der es wagt,
– festhalten bitte –
etwas anderes gemacht zu haben, bevor er etwas Neues gemacht hat, für das er sich jetzt bewirbt.
Für einige Recruiter klingt das ungefähr so bedrohlich wie „Buchhalter mit Fallschirmschein“. oder „Projektmanager mit Poetry-Slam-Erfahrung“.
Spannend, aber … äh … viel zu riskant.
Dabei sind Quereinsteiger in Wahrheit die Schweizer Taschenmesser der Arbeitswelt: Sie können vieles, was keiner auf dem Plan hatte, und lösen Probleme, von denen niemand wusste, dass sie existieren, bis sie gelöst sind.
Aber warum reagieren Unternehmen trotzdem oft so nervös?
Weil Quereinsteiger nicht in die Schublade passen.
Und Schubladen sind in Deutschland wichtig.
Schubladen geben Halt.
Schubladen geben Ordnung.
Schubladen verhindern Chaos und viel zu oft leider auch gute Einstellungen. Dabei bringen Quereinsteiger genau das mit, was Stellenanzeigen so gerne nachplappern:
Out-of-the-box-Denken (haben sie)
Hands-on-Mentalität (haben sie oft gezwungenermaßen)
Flexibilität (sonst wären sie ja nicht quer eingestiegen)
Lernbereitschaft (sonst wären sie vermutlich ausgestiegen)
Und mein Favorit:
„Resilienz“. Das bekommt man gratis dazu, wenn man schon drei Karrierewechsel UND das deutsche Bewerbungsverfahren überlebt hat.
Wer Quereinsteiger einstellt, bekommt Geschichten, Ideen, Schräglagen, Lösungen, Impulse und vielleicht sogar Begeisterung.
Vielleicht sollten wir aufhören, den Quereinstieg als Nachteil zu betrachten und anfangen, sie als Wettbewerbsvorteil zu begreifen.

















































