Notizen aus der Warteschleife. Folge 49: Warum genau ist Erfahrung plötzlich ein Risiko?

Letzten Freitag habe ich plakatiert: „Zu alt? Nein. Falsch eingeschätzt!“

Und jetzt lässt mich eine Frage nicht los:
Warum ist das Alter in Bewerbungsprozessen eigentlich ein Makel aber in vielen anderen Lebensbereichen ein Qualitätsmerkmal?

Bei Wein, Kunst, Whisky, Architektur, Menschlichkeit.
Oft gilt: Reife = Wert.

Nur im Recruiting scheint ab 50 die Alarmglocke loszugehen: „Zu alt! Risiko! Bald weg! Teuer! Eingefahren!“

Echt jetzt?

Ich frage das nicht aus Trotz. Ich frage das, weil ich es wirklich verstehen möchte:

Ein paar Hypothesen:
1. „Der passt nicht mehr in unsere Kultur!“
Frage: Woher wollt Ihr das wissen, wenn Ihr nach Alter aussortiert?
2. „Der ist bestimmt teuer.“
Wirklich? Einfach mal nach dem Gehaltswunsch fragen.
3. „Der bleibt ja nicht mehr lange!“
Oh, bitte. Gen Z kündigt nach sechs Monaten, wenn der Bürostuhl quietscht ;-).
Ich bleibe, wenn die Zusammenarbeit stimmt.

Vielleicht ist Alter gar nicht das Problem.
Vielleicht ist es die Konfrontation mit Kompetenz.
Kompetenz ist unbequem. Sie stellt Fragen. Sie legt Dinge offen. Sie verlangt Qualität. Und ja, sie lässt sich nicht mit Buzzwords einwickeln.

Also, liebe Recruiter, Personaler, Entscheider:
Ich frage wirklich ehrlich, ohne Polemik:
Was macht euch unsicher im Kontakt mit älteren Bewerber*innen?
Was ist das eigentliche Risiko? Wovor habt Ihr Angst?
Warum wird 50+ als Warnsignal oder als NoGo gelesen und nicht als Qualitätszertifikat?

Ein paar ehrliche Antworten könnten sicher weiterhelfen.

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