Notizen aus der Warteschleife. Folge 42: Ich kündige. Dem Bewerbungszirkus.

Nach 20 Monaten und über 300 Bewerbungen weiß ich jetzt: Das deutsche Bewerbungswesen ist kein Prozess, es ist ein Escape Room ohne Eingang oder Ausgang.

Man füllt Formulare aus, schreibt perfekte Anschreiben, optimiert Lebensläufe, spricht mit Bewerbungscoaches, redigiert seine Persönlichkeit, lädt PDF-Version 47.3beta hoch – und bekommt am Ende. Nichts! Nicht mal ein „Danke, aber nein danke.“ Nur das digitale Zirpen der Leere.

Ich habe mich höflich gezeigt, motiviert, wandelbar, teamfähig, kreativ, belastbar, agil. Kurz: wie eine besonders charmante Büroklammer.

Aber irgendwann reicht’s!

Vielleicht ist der Weg gar nicht, noch eine und noch eine und dann noch eine Bewerbung zu schreiben. Vielleicht ist der Weg, einfach aufzuhören Bewerbungen zu schreiben. Scheint mir rgendwann nur noch sinnlos. Es muss andere, bessere Wege geben.

Vielleicht ist es Zeit, die Zukunft wieder selbst zu gestalten, statt mich begutachten zu lassen. Ob als Künstler, Freiberufler oder sonstiger Grenzgänger. Keine Ahnung. Aber wenigstens wieder mit Überzeugung. Und ohne Formularfelder.

Ich glaube, ich gründe jetzt was. Wenn schon keiner mich einstellt, dann stelle ich mich eben selbst ein. Bin jetzt schon mein mit Abstand bester Mitarbeiter.

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