Montagmorgen wollte ich eine Bewerbung schreiben. Die Bewerbung schrieb zurück: „Bitte nicht schon wieder ins digitale Nirwana! Ich will diesmal auch gelesen werden.“
Ich versprach ihr, so ehrlich ich konnte: „Vielleicht klappt’s ja bei LinkedIn.“
Sie war skeptisch. Bewerbungen haben ein gutes Gespür für Enttäuschungen – sie riechen Ablehnungen schon aus der Ferne, wie Hunde den Regen.
Am Dienstag lag sie noch immer auf meinem Desktop, zwischen „Version_final_final_3“ und einem Ordner namens „Muss_jetzt-raus“. Sie hustete leise, vermutlich vom digitalen Staub und fragte: „Und? Schon abgeschickt?“ Ich tat so, als hätte ich sie nicht gehört, und öffnete stattdessen LinkedIn. Ein Klick hier, ein Like dort, ein paar inspirierende Zitate über Gespräche und Resilienz – und schon war der Tag irgendwie … weg.
Heute ist Mittwoch. Die Bewerbung sitzt auf meinem Bildschirmrand, schwingt mit den Beinen und raucht imaginär eine Zigarette. „Na? Wurde ich gelesen?“, fragt sie lakonisch. Ich zucke mit den Schultern. Vielleicht hängen Personalabteilungen in einem Paralleluniversum fest, in dem E-Mails erst reifen müssen – wie Käse oder schlechte Entscheidungen.
Aber gut. Ich schicke sie jetzt los. Denn irgendwann muss man seine digitalen Kinder in die Welt entlassen. Und wer weiß – vielleicht trifft sie dort jemanden, der erkennt, dass eine gute Bewerbung keine KI, sondern ein kleines Stück Seele enthält.
















































