„Vielleicht bewerbe ich mich demnächst als Personal Brand. Der Mensch dahinter kommt später.“
Ich poste hier. Regelmäßig (dies ist Post Nr. 59 in 2025). Über meine Jobsuche, über Kunst, über das Überleben zwischen Bewerbungsportalen und Bürgergeldantrag. Und manchmal frage ich mich: Bin das eigentlich ich? Oder schon eine Kunstfigur – optimiert für Likes, Lesbarkeit und Algorithmen?
LinkedIn ist eine Bühne. Die Requisiten: Profilbild, Schlagworte, Hashtags. Das Drehbuch: sorgfältig formulierte Gedanken, zugespitzte Pointen, gefilterte Emotionen. Und irgendwo dahinter – der echte Mensch, der morgens mit zerzausten Haaren seinen Milchkaffee trinkt und hofft, dass heute etwas (sinnvolles) passiert.
Ehrlichkeit ist hier ein Paradox: Zu viel davon wirkt unprofessionell. Zu wenig – und man klingt wie eine Hochglanzbroschüre mit Stockfotos. Also balanciere ich. Zwischen dem, was wirklich ist, und dem, was LinkedIn-tauglich klingt.
Vielleicht ist die Wahrheit: Die Kunstfigur und die echte Person sind längst ineinandergeflossen. Ich bin beides. Der Bewerber und der Erzähler. Der Projektmanager und der Chronist seiner eigenen Jobsuche. Der Mensch – und sein eigenes Social-Media-Experiment.
Falls Sie mich also einstellen: Sie bekommen nicht nur Arbeitskraft. Sie bekommen auch eine fortlaufende Geschichte. Und die ist echt – so echt, wie es in einer Kunstform eben möglich ist.
















































